Welche Copilot-Lizenz brauche ich? Erst das Bohrloch, dann die Bohrmaschine

Kurz gesagt: Welche Copilot-Lizenz Sie brauchen, ergibt sich aus Ihren Anwendungsfällen, nicht aus der Preisliste. Copilot Chat ist mit jedem berechtigten Microsoft-365-Geschäftskonto ohne Aufpreis dabei. Copilot Business kostet 18,20 Euro netto pro Person und Monat im Jahresabo und lohnt sich, wenn jemand Copilot in Outlook, Teams und der eigenen Ablage braucht. Copilot Studio wird nach Verbrauch abgerechnet.

Die Anfrage: „Welche Lizenzen brauchen wir eigentlich?“

Diese Frage höre ich seit zwei Jahren häufiger als jede andere. Zuletzt kam sie von einem Maklerbüro mit sieben Arbeitsplätzen. Die Lage dort war typisch, und sie war vernünftig entstanden:

  • ChatGPT Business war freigeschaltet, weil viele ChatGPT privat schon kannten. Ein sinnvoller Schritt, damit die Arbeit in einem Firmenkonto stattfindet
  • Claude Team stand als Nächstes auf der Liste
  • Zu Copilot hatte der IT-Dienstleister gesagt: „Ihr habt doch schon Copilot.“ Gemeint war Copilot Chat, die kostenlose Stufe. Die volle Lizenz für alle stand trotzdem im Raum

Für sieben Personen sind das 21 Lizenzen. Bei jährlicher Zahlung kosten sie 1.528,80 Euro für Copilot Business und 3.360 US-Dollar für ChatGPT Business und Claude Team, zum Kurs vom 21. Oktober 2026 zusammen rund 4.500 Euro netto im Jahr. Das Ziel war klar: Zeit gewinnen. Mails entstanden von Hand, Recherchen dauerten lange, und für einen Vertrag oder eine Rechnung wurde oft erst herumtelefoniert. Offen war, welcher dieser Vorgänge mit welchem Werkzeug schneller wird. Bildlich gesprochen: Eine Bohrmaschine war gekauft, zwei weitere lagen im Warenkorb, und wo zuerst gebohrt werden sollte, stand noch nicht fest.

Ich gehe die Frage hier so durch wie mit meinen Kunden. Zuerst, was ChatGPT, Claude und Copilot an Sicherheit mitbringen. Dann, welche Copilot-Stufen es gibt. Dann die Bausteine rund um die Lizenz, mit echten Anwendungsfällen. Am Ende steht die Rechnung, warum die Lizenz der letzte Schritt sein sollte. Die Fälle stammen aus Projekten der letzten zwei Jahre, Namen und Details sind verändert. Und vorweg: Ich verkaufe keine Lizenzen und bekomme keine Provision von Anbietern.

ChatGPT, Claude und Copilot: was die Tarife an Sicherheit mitbringen

ChatGPT und Claude werden meist wegen der Leistung gebucht. Sie schreiben und analysieren gut, und viele Mitarbeitende kennen sie von zu Hause. Für den Einsatz im Unternehmen entscheidet aber zuerst der Tarif, nicht das Modell. Derselbe Chat läuft im Privattarif unter Verbraucherbedingungen und im Teamtarif unter Geschäftsbedingungen mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Geprüft wird mit denselben drei Fragen wie in der Ampel des KI Tool Kompass: Wo werden die Daten verarbeitet, fließen sie ins Training, gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag?

Vergleichstabelle: Gleicher Chat, anderer Rahmen. Spalten: Privattarife wie ChatGPT Plus und Pro oder Claude Pro und Max, ChatGPT Business, Claude Team, Microsoft 365 Copilot. Zeilen: Vertrag, Training mit Ihren Eingaben, Speicherort, Verwaltung. Privattarife: Verbraucherbedingungen, Training bei ChatGPT an und abschaltbar, bei Claude Ihre Wahl, Speicherung in den USA, keine zentrale Verwaltung. ChatGPT Business: Geschäftsbedingungen mit Auftragsverarbeitungsvertrag, kein Training, Speicherregion beim Abschluss wählbar mit befristeter Kopie in den USA, Arbeitsbereich mit Verwaltung. Claude Team: Geschäftsbedingungen mit Auftragsverarbeitungsvertrag, kein Training, Speicherung in den USA, Arbeitsbereich mit Verwaltung. Microsoft 365 Copilot: Microsoft-Produktbedingungen mit Auftragsverarbeitungsvertrag, kein Training, EU-Datengrenze außer Websuche und Claude-Modellen, Verwaltung über Microsoft 365 mit Ihren Berechtigungen. Stand Oktober 2026.

ChatGPT Business und Claude Team

Beide Teamtarife trainieren standardmäßig nicht mit Ihren Eingaben, und für beide gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Beide kosten 20 US-Dollar pro Person und Monat bei jährlicher Zahlung und 25 US-Dollar bei monatlicher. Claude Team speichert in den USA. Bei ChatGPT Business lässt sich die Speicherregion beim Abschluss wählen, OpenAI bietet das schrittweise an. Auch dann liegt laut OpenAI eine Kopie jeder Eingabe befristet in den USA, und wo die Anfragen verarbeitet werden, legt die Region nicht fest.

Für Texte, Konzepte und Recherchen ohne Personenbezug ist das ein solider Rahmen. Für Kundendaten empfehle ich ihn nicht, weil Daten in die USA übermittelt werden und das eigenen Prüfaufwand bedeutet. Für Kundendaten gibt es Copilot. Bei Unternehmen in der EU verarbeitet Microsoft die Copilot-Daten innerhalb der EU-Datengrenze, und Copilot zeigt jeder Person nur, was sie in Ihrer Ablage ohnehin sehen darf.

Zwei Ausnahmen nennt Microsoft selbst. Websuchen gehen als Suchanfrage an Bing und fallen weder unter die EU-Datengrenze noch unter den Auftragsverarbeitungsvertrag. Für die Arbeit mit Kundendaten sollte die IT die Websuche in Copilot deshalb abschalten. Die zweite Ausnahme sind die Claude-Modelle, die inzwischen auch in Copilot zur Auswahl stehen. In der EU sind sie zunächst ausgeschaltet, die IT kann sie im Microsoft 365 Admin Center freigeben. Wer Claude vor allem wegen der Texte möchte, kann es dann auch in Copilot nutzen, am besten ohne Kundendaten.

Claude Max ist ein Privattarif

Claude Max wird gern wegen der hohen Nutzungsgrenzen gebucht. Vertraglich ist Max aber ein Privattarif wie Free und Pro. Seit Herbst 2025 legt jeder Nutzer dieser Tarife selbst fest, ob seine Chats ins Training neuer Modelle einfließen. Ist die Einstellung an, bewahrt Anthropic die Daten bis zu fünf Jahre auf, sonst 30 Tage. Bei ChatGPT Plus und Pro ist das Training ab Werk eingeschaltet und lässt sich abschalten. Für Firmendaten kommen diese Tarife deshalb nicht in Frage, so gut die Modelle auch sind.

Copilot ist nicht gleich Copilot: die Stufen von privat bis Enterprise

Unter dem Namen Copilot verkauft Microsoft inzwischen viele Varianten. Für die Lizenzfrage genügen zwei Äste: privat und Unternehmen. Die Grenze zwischen beiden ist wichtiger als jede Preisstufe.

Schaubild: Copilot von privat bis Enterprise, Stand Oktober 2026. Privat mit persönlichem Microsoft-Konto: Copilot-App kostenlos, Microsoft 365 Single 99 Euro im Jahr, Family 129 Euro im Jahr, Premium 219 Euro im Jahr, Pro 110 Euro im Monat. Unternehmen mit Geschäftskonto: Copilot Chat ohne Aufpreis, Microsoft 365 Copilot Business 18,20 Euro pro Person und Monat im Jahresabo für bis zu 300 Nutzer, Microsoft 365 Copilot 26,00 Euro pro Person und Monat, Microsoft 365 E7 als Suite für 99 US-Dollar. Zwischen beiden Ästen hervorgehoben: die Grenze für Firmendaten.

Privat: Single, Family, Premium und Pro

Die Privattarife hängen am persönlichen Microsoft-Konto. Microsoft 365 Single für 99 Euro im Jahr und Family für 129 Euro enthalten Copilot in Word, Excel, PowerPoint und Outlook mit begrenztem KI-Kontingent. Premium für 219 Euro im Jahr hat das frühere Copilot Pro abgelöst und bringt die Agenten für Recherche und Analyse mit. Neu ist Microsoft 365 Pro für 110 Euro im Monat mit dem höchsten Kontingent. Bei Family, Premium und Pro nutzt nur der Abo-Inhaber die KI.

Für Firmendaten passen diese Tarife nicht. Sie laufen unter Verbraucherbedingungen, Microsoft ist dort selbst Verantwortlicher für die Daten, und es gibt keine zentrale Verwaltung. Wie stark das in die Planung eingreift, habe ich mit einem Sparring-Kunden erlebt, der für unsere Termine sein privates Microsoft-Konto nutzte. Geplant waren eigene Agenten in Copilot Studio. Die gibt es nur mit Geschäftskonto, also haben wir umgeplant. Seitdem kläre ich zuerst die Kontoart. Steht in der Copilot-App beim Namen „Persönlich“, ist es ein privates Konto.

Unternehmen: Chat, Business und Enterprise

Copilot Chat ist mit jedem berechtigten Microsoft-365-Geschäftskonto ohne Aufpreis dabei. Er arbeitet mit Webdaten und hochgeladenen Dateien und steht unter dem Enterprise-Datenschutz. In Outlook beantwortet er in begrenztem Umfang Fragen zu Posteingang und Kalender, in Teams läuft er als App. Auf der Microsoft-365-Startseite steht dann unter Ihrem Namen „M365 Copilot (Basic)“ oder „Copilot Chat (Basic)“. Das „Ihr habt doch schon Copilot“ aus dem Maklerbüro meint genau diese Stufe.

Microsoft 365 Copilot Business kostet 18,20 Euro netto pro Person und Monat im Jahresabo. Die Preisseite nennt außerdem ein Monatsabo für 21,84 Euro, Microsoft Learn spricht dagegen nur von Jahresbindung. Klären Sie deshalb vor der Bestellung im Admin Center, was für Sie gilt. Bestandskunden mit Business-Tarif zahlen bei Abschluss eines Jahresabos bis 31. Dezember 2026 im ersten Jahr 15,60 Euro. Die Lizenz ist für Firmen bis 300 Nutzer gedacht und setzt einen Business-Tarif wie Microsoft 365 Business Basic, Standard oder Premium voraus.

Laut Microsoft bietet Copilot Business denselben Funktionsumfang wie die Lizenz für große Häuser: Copilot in Outlook, Word, Excel, PowerPoint und Teams, die Suche in Ihren eigenen Mails, Chats und Dateien, die Wahl zwischen mehreren Sprachmodellen und die Agenten für Recherche und Analyse. Copilot in Teams setzt eine Teams-Lizenz voraus, und in der EU gibt es Business-Tarife auch ohne Teams. Weil Copilot alles durchsucht, was eine Person sehen darf, lohnt vorher ein Blick auf zu weit offene Freigaben. Auf der Startseite steht dann „M365 Copilot (Premium)“.

Microsoft 365 Copilot für größere Häuser kostet 26,00 Euro netto pro Person und Monat im Jahresabo, ohne Obergrenze bei der Nutzerzahl. Seit Mai 2026 gibt es darüber die Suite Microsoft 365 E7 für 99 US-Dollar pro Person und Monat. Sie bündelt Microsoft 365 E5, Copilot, Agent 365 und die Entra Suite.

Rund um die Lizenz: welche Bausteine dazukommen und wann sie sich lohnen

Mit der Lizenz ist die Rechnung nicht zu Ende. Rund um Copilot gibt es Bausteine, die bereits bezahlt sind, solche, die nach Verbrauch abgerechnet werden, und solche zur Steuerung vieler Agenten. Kosten entstehen hier weniger durch die Lizenz selbst als durch Verbrauch, den niemand im Blick hat, und durch Dinge, die doppelt bezahlt werden.

Schaubild: Was in der Copilot-Lizenz enthalten ist und was extra kostet. In der Lizenz enthalten: Copilot in Outlook, Word, Excel, PowerPoint und Teams, Recherche-Agent und Analyse-Agent, Agenten für Vertrieb, Service und Finanzen, Agent Builder und SharePoint-Agenten, Agenten aus Copilot Studio für lizenzierte Nutzer in Chat, Teams und SharePoint im üblichen Rahmen. Hervorgehoben, nach Verbrauch über Copilot Credits: Agenten für Nutzer ohne Lizenz und in externen Kanälen, Abläufe mit Zeitplan oder Datei als Auslöser, Cowork, Autopilot und Computer Use, Paket mit 25.000 Credits für 173,30 Euro im Monat, nicht genutzte Credits verfallen. Steuerung und Suite: Agent 365 für 15 US-Dollar pro Person, Microsoft 365 E7 für 99 US-Dollar pro Person. Stand Oktober 2026.

Schon bezahlt: Recherche, Analyse und einfache Agenten

Mit Copilot Business oder Microsoft 365 Copilot sind der Recherche-Agent (Researcher) und der Analyse-Agent (Analyst) enthalten. Für Microsoft 365 Copilot führt Microsoft außerdem Agenten für Vertrieb, Service und Finanzen auf. Dazu kommen einfache Agenten aus dem Agent Builder und Agenten in SharePoint. Für diese Funktionen braucht es kein weiteres Abo.

Was keine Lizenz löst, sind Daten außerhalb von Microsoft 365. In einem Vertriebsprojekt haben wir die Themenfelder eines Versicherungsvertriebs auf Copilot geprüft. Ein Teil davon hing vollständig an Fachsystemen, etwa das Kundenprofil mit den Vertragsdaten. Copilot sieht solche Systeme nur über eine eigene Anbindung. Dort hilft keine weitere Lizenz, sondern ein Gespräch mit dem Anbieter des Fachsystems, und manchmal ist es gar keine Aufgabe für Copilot.

Nach Verbrauch: Copilot Studio

Copilot Studio ist der Baukasten für eigene Agenten mit fester Anweisung, hinterlegtem Wissen und Abläufen. Abgerechnet wird in Copilot Credits, entweder als Paket mit 25.000 Credits für 173,30 Euro netto im Monat oder nach Verbrauch über ein Azure-Abonnement. Im Paket ist der Credit laut Microsoft bis zu 20 Prozent günstiger, nicht genutzte Credits verfallen aber am Monatsende. Was ein Agent kostet, hängt von zwei Fragen ab: Wer nutzt ihn, und was löst ihn aus?

Wer nutzt ihn? Ein typischer Fall ist ein Agent, der Fragen des Teams aus Bedingungswerken und Vorlagen in SharePoint beantwortet. Für Nutzer mit Copilot-Lizenz berechnet Microsoft für solche Antworten in Copilot Chat, Teams und SharePoint keine Credits, solange die Nutzung im üblichen Rahmen bleibt. Für Nutzer ohne Lizenz kostet eine Antwort bis zu 12 Credits: 2 für die generative Antwort und 10 für die Suche in Ihrer Microsoft-365-Umgebung.

Rechenbeispiel: Ein Team-Agent, drei Kostenbilder. Ein Agent beantwortet Fragen aus Bedingungswerken in SharePoint, sieben Personen, 21 Arbeitstage. Erstens, alle mit Copilot Business: keine Credits im üblichen Rahmen, die sieben Lizenzen kosten 127,40 Euro im Monat und bringen Outlook, Teams und Recherche mit. Zweitens, ohne Lizenz und zehn Fragen pro Person und Tag: 1.470 Antworten mal 12 Credits ergeben 17.640 Credits, also ein Paket für 173,30 Euro. Drittens, ohne Lizenz und zwei Fragen pro Tag: 294 Antworten, 3.528 Credits, nach Verbrauch rund 25 bis 30 Euro. Hervorgehoben: Welche Variante günstiger ist, entscheidet die Nutzung.

Für ein Team mit sieben Personen sieht das so aus: Stellt jede Person zehn Fragen am Tag, sind das an 21 Arbeitstagen 1.470 Antworten und bis zu 17.640 Credits, also ein Paket für 173,30 Euro. Sieben Copilot-Business-Lizenzen kosten zusammen 127,40 Euro und bringen Outlook, Teams und die Recherche mit. Stellt dieselbe Gruppe zwei Fragen am Tag, fallen höchstens 3.528 Credits an, nach Verbrauch rund 25 bis 30 Euro im Monat. Welche Variante günstiger ist, entscheidet die Nutzung. Und die kennen Sie erst, wenn der Anwendungsfall steht.

Was löst ihn aus? Ein Beispiel aus einem anderen Projekt ist die Auswertung von Besprechungsmitschriften. Startet eine lizenzierte Person die Auswertung im Chat und der Agent ruft den Ablauf auf, fällt nach den Regeln von Microsoft kein Guthaben an. Läuft derselbe Ablauf nachts automatisch über einen Ordner, kostet jeder Lauf Credits. Gleicher Nutzen, zwei Kostenbilder. Entschieden wird das beim Bau des Agenten, nicht erst bei der Rechnung.

Ebenfalls nach Verbrauch: Cowork, Autopilot und Computer Use

Agenten, die selbstständig Aufgaben erledigen, rechnet Microsoft nach Verbrauch über Credits ab, auch bei voller Lizenz. Dazu gehören Copilot Cowork, Autopilot und Agenten mit Computer Use, die Programme am Bildschirm bedienen. Lizenzierte Nutzer sehen den Einstieg zu Cowork bereits. Hat die IT keine Ausgabenregel angelegt, können sie dort nur Zugriff anfordern. Ein sichtbarer Einstieg heißt also nicht, dass die Funktion im Preis enthalten ist.

Steuerung: Agent 365 und E7

Agent 365 kostet 15 US-Dollar pro Person und Monat. Es ist die Verwaltungsschicht für Agenten: Übersicht, Identitäten, Sicherheitsregeln. Agenten baut oder betreibt es nicht. Nötig wird das, wenn viele Agenten im Haus laufen und jemand sie überwachen muss, selten in einem Team mit zwei oder drei Agenten. Die Suite E7 für 99 US-Dollar pro Person rechnet sich nur, wenn Sie E5 und Agent 365 ohnehin brauchen. Für Firmen bis 300 Personen ist Copilot Business der naheliegende Weg.

Die Lizenz dort, wo gearbeitet wird

Eine letzte Falle steckt nicht in der Preisliste, sondern im Arbeitsalltag. In einem Beratungshaus hatten alle Mitarbeitenden eine Copilot-Lizenz in der eigenen Microsoft-365-Umgebung. Die meisten arbeiten aber überwiegend in den Umgebungen ihrer Kunden und haben dort oft keinen vollen Copilot. Bevor Sie Lizenzen verteilen, lohnt deshalb die Frage, wo die Arbeit tatsächlich stattfindet.

Bohrmaschine oder Bohrloch: warum die Lizenz am Ende steht

Den Grundsatz dahinter habe ich im Beitrag KI-Tools auswählen: Warum niemand eine Bohrmaschine kauft beschrieben: erst das Loch, dann das Werkzeug. Bei Lizenzen läuft es oft umgekehrt: Erst wird die Bohrmaschine gekauft, dann werden Wände gesucht. Das ist niemandem vorzuwerfen. Die Angebote liegen auf dem Tisch, viele Mitarbeitende nutzen privat längst ChatGPT, und eine Lizenz fühlt sich nach Fortschritt an.

Schaubild: Zwei Wege zur Lizenz. Links der übliche Start: Lizenzen kaufen, Werkzeuge ausprobieren, Anwendungsfälle suchen, Lizenzen bleiben liegen oder doppeln sich. Rechts hervorgehoben der tragfähige Weg: Ziel und Bestand klären, Vorgänge sammeln mit Häufigkeit und Dauer, Werkzeug je Vorgang prüfen und mit dem beginnen, was schon da ist, Lizenz je Rolle bestellen.

Teuer wird der übliche Weg an drei Stellen:

  • Bindung: Der günstige Preis für Copilot Business gilt im Jahresabo. Sieben Lizenzen binden dann zum Aktionspreis 1.310,40 Euro für zwölf Monate, zum Listenpreis 1.528,80 Euro
  • Doppelungen: Schreiben Copilot, ChatGPT und Claude für dieselben sieben Personen dieselben Mails, zahlen Sie dreimal für eine Aufgabe
  • Plätze am falschen Ort: Lizenzen bei Personen, deren Arbeit woanders stattfindet, kosten jeden Monat, ohne Zeit zu sparen

Die Anwendungsfall-Matrix

In meinen Projekten drehen wir die Reihenfolge um. Zuerst sammeln wir die Vorgänge, die Zeit kosten, und schätzen für jeden: wie oft pro Woche, wie viele Minuten. Dann prüfen wir je Vorgang, welches Werkzeug ihn löst, beginnend mit dem, was schon da ist. Aus dieser Matrix ergibt sich die Lizenzfrage fast von selbst.

Anwendungsfall-Matrix, Beispiel Maklerbüro, je Vorgang die kleinste Stufe, die ihn löst. Spalten: Copilot Chat ohne Aufpreis, Copilot Business, Copilot Studio, Anbindung an das Fachsystem. Kundenmail aus eingefügtem Text entwerfen: Copilot Chat. Schadenmeldung als PDF auslesen und Rückfragen formulieren: Copilot Chat. Antwort mit Bezug auf frühere Mails, Termine und Dateien entwerfen: Copilot Business. Besprechung in Teams mitschreiben lassen: Copilot Business. Team ohne Copilot-Lizenz fragt Bedingungswerke und Vorlagen ab: Copilot Studio. Vertrag oder Rechnung im Maklerprogramm finden: Anbindung an das Fachsystem. Hinweis: Kundendaten in Copilot Chat nur mit abgeschalteter Websuche. Hervorgehoben: Die Lizenzfrage ergibt sich aus der Matrix, nicht umgekehrt.

Im Maklerbeispiel zeigt die Matrix ein klares Muster. Ein Teil der Vorgänge läuft schon mit Copilot Chat, der nichts extra kostet, für Kundendaten mit abgeschalteter Websuche. Die volle Lizenz brauchen die Personen, deren Arbeit in Outlook, Teams und der eigenen Ablage stattfindet. Ein Agent lohnt sich dort, wo dieselbe Frage oft gestellt wird. Und was im Maklerprogramm liegt, löst keine Copilot-Lizenz.

Was der andere Weg spart

Jede Lizenz, die nach der Anwendungsfall-Runde wegfällt, spart bei Copilot Business 218,40 Euro im Jahr zum Listenpreis, bei ChatGPT Business oder Claude Team 240 US-Dollar bei jährlicher und 300 US-Dollar bei monatlicher Zahlung. Zum Start lohnt die monatliche Zahlung. Sie kostet bei ChatGPT und Claude 5 US-Dollar mehr pro Person und Monat, bei Copilot Business laut Preisseite 3,64 Euro, sofern Microsoft Ihnen das Monatsabo anbietet. Dafür können Sie nach vier Wochen umsteuern.

Für Versicherungsmakler kommt ein Punkt dazu. Weil ihre Vermittlung umsatzsteuerfrei ist, können sie meist keine Vorsteuer abziehen. Kaufen Sie direkt bei Microsoft, OpenAI oder Anthropic, rechnen diese meist aus Irland ab. Die Umsatzsteuer steht dann nicht auf der Rechnung, Sie schulden sie selbst (Reverse Charge). Für Makler sind die 19 Prozent damit ein echter Kostenpunkt auf jede Lizenz. Aus rund 4.500 Euro netto für 21 Lizenzen werden so rund 5.400 Euro im Jahr. Die Einzelheiten kennt Ihre Steuerberatung. Wie viel davon nach der Anwendungsfall-Runde bleibt, entscheidet die Matrix.

Erst die Anwendungsfälle, dann die Bestellung

Der günstigere Weg ist nicht der ohne Lizenzen. Es ist der, bei dem jede Lizenz einen Anwendungsfall hat. So gehen wir ihn gemeinsam:

  • Ziel und Bestand klären: was besser werden soll, welche Konten, welcher Microsoft-365-Tarif, welche Lizenzen schon laufen
  • Vorgänge sammeln: was Zeit kostet, wie oft pro Woche und wie viele Minuten
  • Werkzeug je Vorgang prüfen: mit dem beginnen, was schon da ist, also Copilot Chat und bestehende Abos
  • Lizenz je Rolle bestellen: nur dort, wo ein Anwendungsfall sie braucht, ChatGPT und Claude zuerst monatlich

Nach vier Wochen schauen wir gemeinsam nach: Wer nutzt was, und welche Lizenz kann weg?

Der Einstieg ist die kostenlose KI-Potenzialanalyse: 30 Minuten im Videogespräch, Sie bringen Ihre Lizenzlage und einen Vorgang aus Ihrer Woche mit. Wie es danach weitergehen kann, beschreibe ich unter KI-Beratung für den Mittelstand. Für Ihr Team gibt es die Copilot-Schulung, für Makler den Überblick Copilot im Maklerbüro. Ich bin beim BAFA als Berater gelistet. Unter den geltenden Voraussetzungen kann die Beratung deshalb gefördert werden.

Quellen

Alle Preise und Bedingungen geprüft am 22. Oktober 2026. Preise für Unternehmen netto, für Privatpersonen inklusive Umsatzsteuer. Dollarbeträge umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 21. Oktober 2026 (1 US-Dollar = 0,89 Euro).

Häufige Fragen

Welche Copilot-Lizenz brauche ich für mein Unternehmen?

Das hängt von den Vorgängen ab, die Copilot übernehmen soll. Für Texte, Fragen und hochgeladene Dateien reicht oft Copilot Chat, der mit jedem berechtigten Microsoft-365-Geschäftskonto ohne Aufpreis dabei ist. Wer Copilot in Outlook, Teams, Word und Excel mit den eigenen Mails und Dateien nutzen will, benötigt Microsoft 365 Copilot Business (bis 300 Nutzer) oder Microsoft 365 Copilot. Klären Sie zuerst die Anwendungsfälle und vergeben Sie die Lizenz dann pro Person.

Was kostet Microsoft Copilot?

Stand Oktober 2026, netto pro Person und Monat: Copilot Chat 0 Euro, Microsoft 365 Copilot Business 18,20 Euro im Jahresabo (Monatsabo laut Preisseite 21,84 Euro; Bestandskunden mit Business-Tarif zahlen bei Abschluss eines Jahresabos bis 31.12.2026 im ersten Jahr 15,60 Euro), Microsoft 365 Copilot 26,00 Euro im Jahresabo. Privat kosten Microsoft 365 Single 99 Euro, Family 129 Euro und Premium 219 Euro im Jahr. Copilot Studio kostet 173,30 Euro netto pro Paket mit 25.000 Credits im Monat oder wird nach Verbrauch abgerechnet.

Ist Copilot kostenlos?

Ja, in zwei Formen: privat als Copilot-App und im Unternehmen als Copilot Chat. Copilot Chat setzt ein berechtigtes Microsoft-365-Geschäftskonto voraus, arbeitet mit Webdaten und hochgeladenen Dateien und steht unter dem Enterprise-Datenschutz. In Outlook beantwortet er begrenzt Fragen zu Posteingang und Kalender, in Teams läuft er als App. Den vollen Copilot in Word, Excel, PowerPoint und in Teams-Besprechungen sowie die Suche in all Ihren Mails, Chats und Dateien gibt es erst mit Lizenz.

Was ist der Unterschied zwischen Microsoft 365 Premium und Copilot Business?

Microsoft 365 Premium ist ein Privattarif für das persönliche Microsoft-Konto, mit Verbraucherbedingungen und ohne zentrale Verwaltung. Microsoft 365 Copilot Business ist eine Zusatzlizenz für Geschäftskonten mit einem Business-Tarif wie Business Basic, Standard oder Premium, mit Enterprise-Datenschutz, Verwaltung im Admin Center und Zugriff auf die Daten Ihrer Firma. Nicht verwechseln: Microsoft 365 Business Premium ist ein Geschäftstarif, Microsoft 365 Premium ein Privattarif.

Was kostet Copilot Studio?

Copilot Studio rechnet in Copilot Credits ab: als Paket mit 25.000 Credits für 173,30 Euro netto im Monat oder nach Verbrauch über ein Azure-Abonnement. Nicht genutzte Paket-Credits verfallen am Monatsende. Eine einfache Antwort kostet 1 bis 2 Credits, mit Suche in Ihrer Microsoft-365-Umgebung bis zu 12. Für Nutzer mit Copilot-Lizenz berechnet Microsoft für Antworten von Agenten in Copilot Chat, Teams und SharePoint keine Credits, solange die Nutzung im üblichen Rahmen bleibt. Abläufe, die nach Zeitplan oder durch eine neue Datei starten, kosten immer Credits.

Sind ChatGPT Business und Claude Team für Firmendaten geeignet?

Beide trainieren standardmäßig nicht mit Ihren Eingaben, und für beide gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Claude Team speichert in den USA, ChatGPT Business je nach beim Abschluss gewählter Region, mit einer befristeten Kopie in den USA. Für Texte, Konzepte und Recherchen ohne Personenbezug ist das ein solider Rahmen. Für Kundendaten empfehle ich Copilot im eigenen Microsoft-365-Konto, mit abgeschalteter Websuche. Claude Max sowie ChatGPT Plus und Pro sind Privattarife und eignen sich nicht für Firmendaten.

Wie erkenne ich, welche Copilot-Lizenz ich habe?

Melden Sie sich auf der Microsoft-365-Startseite an. Unter Ihrem Namen steht „Copilot Chat (Basic)“ oder „M365 Copilot (Basic)“ für die kostenlose Stufe und „M365 Copilot (Premium)“ für die volle Lizenz. Steht in der Copilot-App beim Namen „Persönlich“, sind Sie mit einem privaten Microsoft-Konto angemeldet. Microsoft erklärt die Etiketten auf der Supportseite „Welche Copilot-Lizenz habe ich?“.

KI-Transparenz: Beiträge auf inseleric.de entstehen mit KI-Unterstützung und werden redaktionell von Eric Insel geprüft. Wie ich KI-Inhalte nach EU-Vorgaben kennzeichne, erkläre ich in meiner EU-AI-Act-Schulung.